Kreditantrag – diese Schritte sind Pflicht

Kredite existieren heute in grosser Zahl von zahllosen Anbietern und für unzählige Anwendungsgebiete. Dennoch sollte vor jedem Einzelnen eine feste Abfolge von Schritten eingehalten werden.

Schweizer sind ein sparsames Volk. Das zeigt sich darin, wie viel Vermögen es auf der „hohen Kante“ gibt. Weniger als ein Drittel besitzt nur höchstens 50‘000 Franken. Der Rest hat wesentlich höhere Rücklagen, das fand das Bundesamt für Statistik bei seiner jüngsten Erhebung in diesem Metier anno 2016 heraus.

Doch so viele Franken auf den Konten liegen, so gern kaufen die Schweizer doch auch auf Kredit. Ob neue Digitalkamera, für die im Elektrogeschäft eine Null-Prozent-Finanzierung abgeschlossen wird; ob neue Waschmaschine, Schlafzimmereinrichtung, Velo, Auto oder Eigenheim. Besser jetzt zahlen und danach gestückelt rückerstatten als umgekehrt. Das ist gut für den Konsum, damit auch gut für die Wirtschaft. Allerdings ist das Thema enorm vielfältig und kann bei falscher Handhabung finanzielle Probleme entstehen lassen. Jeder, der einen Darlehensvertrag abschliessen will, egal wie gross oder klein, sollte deshalb gezielte Schritte absolvieren – der Eigensicherheit halber.

1. Den Grund erörtern

Wenn ein neues Auto für den Arbeitsweg nötig ist, weil die Garage das alte nur zu horrenden Kosten reparieren könnte, ist ein Kredit natürlich absolut notwendig. Unterhalb solcher Einzelfälle sollte jedoch immer die Frage im Raum stehen, ob dieser Kauf derzeit wirklich getätigt werden muss. Und wenn ja, ob der Kredit nur komfortabel oder wirklich notwendig ist.

Denn: Zumindest wird jeder Kredit bei CRIF, Bisnode und Co., also den grossen und kleinen schweizerischen Auskunfteien, vermerkt und kann sich im späteren Leben somit vielleicht nachteilig auswirken.

2. Eigenkapital prüfen

Je weniger Geld geliehen werden muss, desto besser. Denn:

  • Der Anteil der Zinsen ist geringer
  • Der Kredit ist rascher abbezahlt
  • Die Belastung des Kreditnehmers ist geringer

Gerade bei Krediten jenseits von 5‘000 Franken sollte deshalb zunächst versucht werden, Eigenkapital zusammenzutragen. Je mehr, desto besser.

3. Die Kreditsumme ehrlich eruieren

Wer ein Elektrovelo kaufen will, das 3‘599 Franken kostet, für den ist klar, dass er sich 3‘600 Franken leihen wird. Und bei vielen anderen Produkten gilt das ebenfalls. Aber es gibt auch eine andere Seite: Dinge, die per Kredit finanziert werden sollen, bei denen aber weit weniger transparent ist, welche Endsumme tatsächlich benötigt wird.

Nehmen wir einen Grund, der für viele Schweizer Anlass für einen Kredit ist: Urlaubsreisen. Natürlich, Flug und Hotel lassen sich vorher kalkulieren, vielleicht auch der Mietwagen. Danach werden die benötigten Summen jedoch intransparent. Die Gefahr: Es wird zu wenig geliehen. Und je nach Art der Ausgabe werden dann Nachfinanzierungen nötig. Diese sind immer teurer als der ursprüngliche Kredit. Die Vorgehensweise ist deshalb bei allen schlecht kalkulierbaren Ausgaben folgende:

  1. So genau wie möglich versuchen, einen Mittelwert zu finden. Etwa „Was kostet Urlaub in diesem Land durchschnittlich pro Tag?“ Dabei leistet das Internet unschätzbare Hilfe.
  2. Von diesem Mittelwert grosszügig (mindestens zehn Prozent) aufwärts planen, um eine Maximalsumme zu errechnen.
  3. Diese Maximalsumme um weitere fünf Prozent erhöhen. Das ist die nötige Kreditsumme.

Und wo es um Beträge oberhalb von 50‘000 Franken geht, sollte zusätzlich mit dem Kreditgeber eruiert werden, welche Möglichkeiten der Nachfinanzierung es gäbe. Beispielsweise zusätzliche Summen auf Abruf oder eine noch grössere geliehene Summe mit Option auf kostenlose Sondertilgung der nicht benötigten Gelder.

4. Die Eckdaten um den Kredit herausfinden

Bis hierhin existiert nur eine benötigte Summe. Es ist weder bekannt, welche Summen monatlich zurückgezahlt werden sollen (und können) und darauf basierend auch nicht, wie lange der Kredit laufen wird.

Doch auch diese Daten sind absolut wichtig, um den richtigen Kredit herauszufinden, zu eruieren, was eine gute Zinsrate ist und vor allem dafür zu sorgen, dass das Darlehen nicht zu einer übermässigen Belastung führt. Vor allem für die monatliche Abtragungssumme sollte ein sehr konservativer, das heisst, eher gering angesetzter, Wert herangezogen werden. Das gilt zumindest bei typischen Konsumkrediten im Bereich bis mehrere zehntausend Franken.

Denn: Der Kredit muss über lange Zeit zurückgezahlt werden. Zeiten, in denen die monatlichen Einkünfte und Ausgaben vielleicht beträchtlich schwanken. Eine niedrigere Rückzahlung verlängert zwar die Zeit, aber sie lässt auf dem Weg zur Schuldfreiheit viel mehr Raum.

5. Einen Kreditvergleich durchführen

Es gibt in der Schweiz allein mehr als 200 bewilligte Banken. Hinzu kommen Kreditvermittler, Internetportale. Und bei allen davon gibt es zahllose Kreditvarianten und -untervarianten, die sich durch verschiedene Zahlungsmodalitäten ergeben. Alles in allem gut und gerne mehrere hunderttausend Kreditmöglichkeiten. Als Privatperson ist es absolut unmöglich, darüber allein den Überblick zu behalten und den für sich, den Erwerb und die Finanzlage passenden Kredit herauszufinden.

Sobald also eruiert wurde, welche Summen benötigt werden, ist ein fachmännischer Kreditvergleich vonnöten. Auch für ihn gibt es ein festgelegtes Schema. Es beginnt immer damit eine Konditionenanfrage zu stellen, in der Betrag, Laufzeit und Verwendungszweck angegeben werden. Es folgt der Vergleich der Angebote und danach die Auswahl. Wurde die konkrete Anfrage positiv beschieden, können die nötigen Unterlagen eingereicht werden.

6. Abtragen vor erneuten Krediten

Der Kredit wurde bewilligt, das Geld aufs Konto überwiesen, die angepeilte Ausgabe getätigt. Aus psychologischer Sicht ist damit für viele Verbraucher das Thema beendet. Verständlich zwar, aber leider auch gefährlich. Denn tatsächlich beginnt nun erst die monatliche Belastung. Der Kredit will zurückbezahlt werden, egal ob ein Monat teurer oder günstiger wird, ob zusätzliche Ausgaben anstehen oder nicht.

Damit gehören abzutragende Darlehen in die gleiche Kategorie der wichtigsten Kostenpunkte überhaupt wie es auch die Miete, Strom- und Wasserrechnung tun. Ein Zeitungsabonnement lässt sich kündigen, aufs Handy notfalls verzichten. Miete, Kredite usw. müssen aber bezahlt werden, egal wie und grundsätzlich zuerst.

Allerdings endet die nötige Disziplin bei vielen spätestens dann, wenn der auf Kredit erworbene Gegenstand den Reiz des Neuen verloren hat. Damit werden sie anfällig für erneute Kaufanreize. Dann beginnt die grosse Gefahr. Ein, zwei, vielleicht sogar drei laufende Kredite können bei passendem Einkommen problemlos bewältigt werden. Kritisch wird es jedoch, wenn Menschen den Überblick verlieren, weil sie mehr Kredite bedienen müssen als ihr Einkommen realistisch ermöglicht.

Das gilt ganz explizit bei Kleinkrediten. Hier monatlich 100 Franken, da 150 usw. Seit Jahren spielen zu viele Minikredite eine Hauptrolle unter den wichtigsten Gründen für Überschuldung in der Schweiz – wissenschaftlich belegt. Das bedeutet im Klartext, solange der Kredit noch nicht abbezahlt ist, sollte vor allem Punkt 1 noch sehr viel kritischer durchgeführt werden, bevor ein weiterer Kredit aufgenommen wird. Bei diesem Thema besteht der Weg in grosse Sorgen nicht aus einem grossen Kreditschritt, sondern vielen kleinen, die ausufern.

Fazit

Kredite sind vielfältig, praktisch und vielfach nicht nur hilfreich, sondern notwendig. Dennoch sollten Sie als potenzieller Kreditnehmer sich immer die Zeit nehmen, und zu Ihrer eigenen Sicherheit die nötigen Schritte abarbeiten. Nur so können ausschliesslich Vorteile aus dem Darlehen gezogen werden und es nicht zu einem untragbaren Problem werden.


Alexander Senger ist Geschäftsführer und verantwortet die Online-Marketing von CAPITALO und begleitet unsere Social Media und PR-Arbeit in seinem Alltag. Seit 2008 schreibt er über spannende Themen für Finanz-Channels und Vergleichsportale.