
Revolut beantragt Schweizer Banklizenz: Was sich für Kunden ändern soll
Revolut hat am 16. September 2026 bei der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) eine Schweizer Banklizenz beantragt. Die Neobank betreut in der Schweiz nach eigenen Angaben über 1,3 Millionen Kundinnen und Kunden und kündigt an, in den kommenden fünf Jahren mehr als 150 Millionen Franken in den Schweizer Markt zu investieren. Das Bewilligungsverfahren läuft, der Ausgang ist offen.
Die wichtigsten Fakten im Überblick
- Antragsteller: Revolut, Neobank mit Hauptsitz in London, weltweit über 80 Millionen Kunden
- Eingereicht bei: Finma, Gesuch im Sommer 2026 eingereicht, Bekanntgabe am 16. September 2026
- Kunden in der Schweiz: über 1,3 Millionen
- Angekündigte Investition: mehr als 150 Millionen Franken über fünf Jahre
- Heutige Struktur: Betreuung über die Revolut Bank UAB mit litauischer Banklizenz und einer Vertretung in der Schweiz
- Entscheidungstermin: offen, Revolut nennt keinen Starttermin
Was eine Schweizer Lizenz konkret ändern würde
Heute läuft das Schweiz-Geschäft über die litauisch lizenzierte Revolut Bank UAB. Das begrenzt das Angebot an einer praktischen Stelle: Revolut kann keine vollwertigen Lohnkonten führen. Arbeitgeber, Ausgleichskassen, Pensionskassen und Steuerverwaltungen können Zahlungen an Revolut-Konten in der Praxis nicht auslösen, weil das geforderte Kontoformat von deren Systemen nicht unterstützt wird. Auch Anlagekonten in Franken fehlen.
Mit einer eigenen Schweizer Lizenz will Revolut diese Lücke schliessen. Geplant sind laut Unternehmensmitteilung Lohnkonten mit Schweizer IBAN, die Anbindung an eBill, Zahlungsabwicklung für Händler sowie der Zugang zur Schweizer Einlagensicherung. Ein Angebot für die Säule 3a und die Einbindung von Twint prüft Revolut nach eigenen Angaben noch, beides ist nicht zugesagt. Bestehende Kunden sollen über einen Wechselprozess auf die neue Schweizer Bankeinheit übertragen werden.
Der Punkt Einlagensicherung wiegt schwer. Guthaben bei der Revolut Bank UAB fallen heute unter die litauische Einlagensicherung, nicht unter die schweizerische. Für viele Kundinnen und Kunden ist eine Schweizer Lizenz die Bedingung dafür, mehr als das Reisebudget bei einem Anbieter zu halten.
Einordnung im Schweizer Neobanken-Markt
Nach Kundenzahlen führt Revolut das Feld der in der Schweiz aktiven Neobanken deutlich an. Yuh kommt auf rund 400'000 Nutzer, Neon auf etwa 250'000. Allerdings sagt die Zahl wenig über die Tiefe der Kundenbeziehung: Ein grosser Teil dürfte Revolut bislang vor allem für Zahlungen im Ausland nutzen, nicht als Hauptbank. Genau das soll sich mit einem Lohnkonto ändern.
Beim Kostenbild liegt Revolut im Mittelfeld. Die folgende Übersicht zeigt die kostenlose Einstiegskarte im Vergleich mit den kostenpflichtigen Stufen:
| Produkt | Capitalo Score | Jahresgebühr | Fremdwährung Kartenzahlung | Gratis Bargeld pro Monat |
|---|---|---|---|---|
| Revolut Standard | 80 von 100 Punkten | 0.00 CHF | 0 % werktags, 1 % am Wochenende | 200 CHF, danach 2 % |
| Revolut Plus | siehe Produktseite | 35.88 CHF | 0 % | 200 CHF, danach 2 % |
| Revolut Premium | siehe Produktseite | 131.88 CHF | 0 % | 400 CHF, danach 2 % |
Quellen: Capitalo-Daten (Revolut), Marktrecherche (September 2026) für Kundenzahlen der Wettbewerber. Stand: September 2026. Alle Angaben ohne Gewähr.
Im Capitalo Score erreicht die Revolut Standard 80 von 100 Punkten und damit 4,0 von 5 Sternen (Bewertung: Gut). Stark schneidet die Karte bei Kosten (15 von 15 Punkten), Rechnungsausgleich (14 von 14) und mobilem Bezahlen (6 von 6) ab. Punkte kostet sie beim Kundenservice (1 von 4 Punkten, kein telefonischer Support) und beim Bargeldbezug (7 von 11 Punkten).
Was das für dich bedeutet
Kurzfristig ändert sich nichts. Dein Revolut-Konto läuft weiter über die litauische Revolut Bank UAB, mit der dortigen Einlagensicherung und ohne Schweizer IBAN. Wer heute auf ein Lohnkonto bei Revolut wartet, muss sich gedulden.
Ein Blick lohnt sich in diesen Fällen:
- Du nutzt Revolut für Zahlungen im Ausland: Das Angebot bleibt unverändert, die Lizenzfrage berührt dich kaum.
- Du willst grössere Beträge bei Revolut halten: Dann ist die Einlagensicherung der entscheidende Punkt. Bis zur Bewilligung greift die litauische, nicht die schweizerische Regelung.
- Du suchst ein Hauptkonto mit Lohneingang: Dafür ist Revolut aktuell keine Option. Hier bleiben Anbieter mit bestehender Schweizer Lizenz die erste Wahl.
- Dir ist telefonischer Kundenservice wichtig: Revolut bietet nur Chat und E-Mail. Daran ändert eine Banklizenz zunächst nichts.
Fazit
Mit dem Lizenzantrag und 150 Millionen Franken Investitionszusage greift Revolut die etablierten Schweizer Banken im Alltagsgeschäft an. Ob daraus ein vollwertiges Schweizer Bankangebot wird, entscheidet die Finma, und ein Termin dafür steht nicht fest. Bis dahin bleibt Revolut das, was es in der Schweiz heute ist: ein starkes Zweitkonto für Fremdwährungen, kein Ersatz für die Hausbank.
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Stand: September 2026. Alle Angaben ohne Gewähr.