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LIBOR Hypothek Schweiz: Was du über das abgelöste Modell wissen musst
Hypotheken

LIBOR Hypothek Schweiz: Was du über das abgelöste Modell wissen musst

Die LIBOR-Hypothek war jahrzehntelang die beliebteste Geldmarkthypothek der Schweiz. Ende 2021 wurde sie durch die SARON-Hypothek ersetzt. Hier erfährst du, warum.

Alexander SengerAlexander Senger
Aktualisiert: 25. Februar 2026

LIBOR Hypothek: Die wichtigsten Fakten

Das Wichtigste auf einen Blick

  • 🏦 Was war LIBOR? Der London Interbank Offered Rate – ein internationaler Referenzzinssatz, auf dem Geldmarkthypotheken in der Schweiz basierten
  • 📅 Abgeschafft per: 31. Dezember 2021 – ersetzt durch den SARON (Swiss Average Rate Overnight)
  • ⚠️ Grund: LIBOR-Manipulationsskandal und fehlende Transaktionsbasis nach der Finanzkrise 2008
  • ✅ Heute: Alle ehemaligen LIBOR-Hypotheken wurden automatisch auf SARON umgestellt

Was war die LIBOR-Hypothek?

Die LIBOR-Hypothek war eine Geldmarkthypothek mit variablem Zinssatz. LIBOR steht für London Interbank Offered Rate – der Zinssatz, zu dem sich internationale Grossbanken gegenseitig kurzfristige Kredite gewährten. Erstmals publiziert wurde der LIBOR im Januar 1986.

Grundsätzlich gilt: Der Zinssatz einer LIBOR-Hypothek setzte sich aus zwei Komponenten zusammen:

  • LIBOR-Referenzzins (variabler Anteil) – meist der 3-Monats- oder 6-Monats-LIBOR in Schweizer Franken
  • Bankmarge (fixer Anteil) – ein individueller Zuschlag der Bank, typischerweise zwischen 0.80% und 1.50%

LIBOR-Hypotheken hatten einen Rahmenvertrag mit einer festen Laufzeit von 2 bis 5 Jahren. Innerhalb dieser Laufzeit wurde der Zinssatz alle 3 oder 6 Monate an den aktuellen LIBOR angepasst. Ein zentraler Vorteil: Du wusstest am Anfang jeder Zinsperiode, welchen Zins du für die nächsten Monate zahlst.

In der Schweiz machten LIBOR-Hypotheken rund 20% des gesamten Hypothekarvolumens aus – das entsprach gemäss Schätzungen etwa CHF 200 Milliarden (Quelle: Baloise, 2021).

So funktionierte die LIBOR-Hypothek

Der Zinsmechanismus war vergleichsweise einfach: Am ersten Tag einer Zinsperiode (z.B. 1. Januar) wurde der aktuelle 3-Monats-LIBOR fixiert. Dieser galt dann für die gesamten nächsten drei Monate.

Rechenbeispiel

Position Wert
Hypothekarsumme CHF 500'000
3-Monats-LIBOR (CHF) -0.75%
Floor (Untergrenze) 0.00%
Bankmarge +1.10%
Effektiver Zinssatz 1.10%
Jährliche Zinskosten CHF 5'500

In Zeiten negativer LIBOR-Zinsen (2015–2021) lag der effektive Referenzzins bei 0%, da die meisten Banken einen sogenannten Floor einführten. Du zahltest dann nur die Bankmarge – was die LIBOR-Hypothek in dieser Phase besonders günstig machte.

Historische LIBOR-Zinsen (CHF, 3 Monate)

Zum Vergleich: Der 3-Monats-CHF-LIBOR bewegte sich über die Jahrzehnte erheblich:

Zeitraum Ungefährer LIBOR-Zinssatz
2000–2007 0.50% bis 3.00%
2008 (Finanzkrise) Anstieg auf bis zu 3.00%, dann rascher Rückgang
2009–2014 0.00% bis 0.50%
2015–2021 Negativ: -0.70% bis -0.80%

Diese starken Schwankungen zeigen, warum LIBOR-Hypotheken sowohl grosse Chancen als auch Risiken bargen. In Hochzinsphasen konnten die Zinskosten deutlich steigen.

Warum wurde der LIBOR abgeschafft?

Die Abschaffung des LIBOR hatte zwei Hauptgründe: den Vertrauensverlust durch den Manipulationsskandal und eine strukturelle Schwäche nach der Finanzkrise.

Der LIBOR-Manipulationsskandal

Ab 2012 deckten Ermittler in mehr als sieben Ländern einen der grössten Finanzskandale der Geschichte auf: Mehrere Grossbanken hatten den LIBOR über Jahre systematisch manipuliert. Händler bei Barclays, UBS, Deutsche Bank, Rabobank und weiteren Instituten hatten die LIBOR-Meldungen gezielt beeinflusst – teils um aus Derivatpositionen Gewinne zu erzielen, teils um ihre Bank in der Finanzkrise stabiler erscheinen zu lassen.

Die Konsequenzen waren beispiellos:

  • Bussen von über 9 Milliarden US-Dollar weltweit
  • Hunderte Händler entlassen oder suspendiert
  • Mehrere CEO-Rücktritte (u.a. Barclays CEO Robert Diamond)
  • Strafrechtliche Verfahren gegen einzelne Händler

Strukturelle Schwächen

Hinzu kam ein fundamentales Problem: Nach der Finanzkrise 2008 liehen sich Banken kaum noch gegenseitig ungesicherte Gelder. Dem LIBOR fehlte zunehmend die Basis aus echten Transaktionen. Die Meldungen der Banken beruhten immer stärker auf Schätzungen statt auf realen Geschäften – was die Anfälligkeit für Manipulation weiter erhöhte.

Im Juli 2017 verkündete die britische Finanzmarktaufsicht (FCA) den Entscheid: Der LIBOR wird nach 2021 nicht mehr unterstützt. Damit war das Ende des Referenzzinssatzes besiegelt.

Von LIBOR zu SARON: Die Umstellung in der Schweiz

Die Schweiz reagierte frühzeitig und strukturiert auf das LIBOR-Ende. Die Nationale Arbeitsgruppe für Referenzzinssätze in Franken – bestehend aus SNB, FINMA, SIX und Marktteilnehmern – empfahl den SARON als Nachfolger für den CHF-LIBOR.

Was ist der SARON?

SARON steht für Swiss Average Rate Overnight. Er wird seit 2009 von der SIX Swiss Exchange berechnet und basiert auf tatsächlichen Transaktionen im besicherten Schweizer Geldmarkt (Repo-Markt). Rund 160 Banken und Versicherer tragen zur Berechnung bei – darunter auch die Schweizerische Nationalbank.

Im Gegensatz zum LIBOR ist der SARON:

  • Transaktionsbasiert statt schätzungsbasiert
  • Besichert (Repo-Markt) statt unbesichert
  • Schweizerisch statt international (London)
  • Manipulationsresistenter dank breiter Datenbasis

Timeline der Umstellung

1

2009: SARON wird eingeführt

SIX und SNB entwickeln den SARON als Referenzzinssatz für den Schweizer Geldmarkt.

2

Juli 2017: FCA verkündet LIBOR-Ende

Die britische Finanzmarktaufsicht kündigt an, den LIBOR nach 2021 nicht mehr zu unterstützen.

3

Dezember 2020: FINMA publiziert Transition-Roadmap

Aufsichtsmitteilung 10/2020 gibt Schweizer Banken konkrete Meilensteine und Fristen.

4

30. Juni 2021: Neue Verträge nur noch mit SARON

Ab diesem Datum dürfen keine neuen LIBOR-basierten Verträge mehr abgeschlossen werden.

5

31. Dezember 2021: LIBOR wird eingestellt

Der CHF-LIBOR wird zum letzten Mal publiziert. Alle bestehenden Verträge werden auf SARON umgestellt.

6

Ab 2022: SARON als neuer Standard

Die SARON-Hypothek ist das einzige Geldmarkthypothek-Modell in der Schweiz.

«A new era of reference interest rates began at the start of this year. SARON now fully replaced Swiss franc Libor.»

Schweizerische Nationalbank, März 2022

Die FINMA stufte das Risiko eines ungeordneten LIBOR-Ausstiegs im Risikomonitor 2021 herunter – ein Zeichen dafür, dass die Umstellung reibungslos verlief (Quelle: FINMA Risikomonitor 2021).

LIBOR vs. SARON: Die wichtigsten Unterschiede

Merkmal LIBOR SARON
Vollständiger Name London Interbank Offered Rate Swiss Average Rate Overnight
Berechnungsbasis Schätzungen von Panelbanken Tatsächliche Transaktionen (Repo-Markt)
Besicherung Unbesichert Besichert (Wertpapiere als Sicherheit)
Verwaltung London (international) Schweiz (SIX Swiss Exchange)
Laufzeit 1, 3, 6 oder 12 Monate Overnight (Tageszins)
Zinsfestlegung Am Anfang der Periode (forward-looking) Am Ende der Periode (backward-looking)
Manipulationsrisiko Hoch (wenige Banken, Schätzungen) Tief (160+ Teilnehmer, reale Transaktionen)
Status Abgeschafft per 31.12.2021 Aktueller Referenzzinssatz

Der grösste Unterschied für dich als Hypothekarnehmer: Bei der LIBOR-Hypothek wusstest du am Anfang des Quartals, welchen Zins du zahlst. Bei der SARON-Hypothek wird der effektive Zinssatz erst am Ende der dreimonatigen Zinsperiode berechnet – ähnlich wie beim Strom, wo du die Rechnung nach dem Verbrauch erhältst.

In der Praxis bewegen sich SARON und der frühere LIBOR auf ähnlichem Niveau. Die Differenz ist gering, und die meisten Hypothekarnehmer bemerkten bei der Umstellung kaum einen Kostenunterschied.

Was bedeutet das heute für dich?

Falls du vor 2022 eine LIBOR-Hypothek hattest: Deine Bank hat die Umstellung auf SARON automatisch vorgenommen. Die grundlegende Funktionsweise – Referenzzins plus Marge – ist gleich geblieben.

Aktuelle Situation (Stand: Februar 2026)

  • SARON: ca. -0.04% (nahe null bei SNB-Leitzins von 0%)
  • SARON-Hypothek Gesamtzins: ca. 0.75–1.30% (je nach Bankmarge und Bonität)
  • Festhypothek 5 Jahre: ca. 1.20–1.60%
  • Festhypothek 10 Jahre: ca. 1.50–1.90%

Die SARON-Hypothek ist aktuell die günstigste Hypothekenart in der Schweiz. Wenn du dich für die aktuellen Konditionen interessierst, findest du alle Details in unserem SARON-Hypothek Ratgeber. Einen Überblick über alle Hypothekenmodelle bietet unser Hypotheken Vergleich.

Tipp für ehemalige LIBOR-Kunden: Prüfe deine Marge: Bei der Umstellung von LIBOR auf SARON haben manche Banken die Marge angepasst. Vergleiche deine aktuelle Marge mit Konkurrenzangeboten. Bei Ablauf deines Rahmenvertrags kannst du zu einem günstigeren Anbieter wechseln – mehr dazu im Ratgeber Hypothek ablösen.

Alexander Senger

Geprüft und freigegeben von

Alexander Senger

Gründer & Geschäftsführer

Als Diplom-Finanzfachwirt (FH) und Gründer der Capitalo Finanzservices GmbH bewertet er seit 2014 systematisch Finanzprodukte im DACH-Raum. Capitalo steht für unabhängige, transparente Vergleiche – kostenlos und im Interesse der Nutzer. Erstellt mit KI-Unterstützung, fachlich geprüft und freigegeben von Alexander Senger.

Erfahrung

15+ Jahre Finanzbranche

Qualifikation

Diplom-Finanzfachwirt (FH)

Registrierung

§34c & §34d GewO

Mehr erfahren

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Inhaltsverzeichnis

  • Was war die LIBOR-Hypothek?
  • So funktionierte die LIBOR-Hypothek
  • Warum wurde der LIBOR abgeschafft?
  • Von LIBOR zu SARON: Die Umstellung in der Schweiz
  • LIBOR vs. SARON: Die wichtigsten Unterschiede
  • Was bedeutet das heute für dich?

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