
Erste Hypothek in der Schweiz: 8 Tipps für Erstkäufer
Du planst den Kauf deiner ersten Immobilie? Hier erfährst du, wie du Eigenkapital, Tragbarkeit und Hypothekenmodell richtig planst – mit konkreten Rechenbeispielen und den aktuellen Zinsen 2026.
Was du als Erstkäufer über Hypotheken wissen musst
- 🏠 Eigenkapital: Mindestens 20% nötig, davon 10% «hartes» Eigenkapital – nicht aus Pensionskasse (gemäss FINMA-Richtlinien)
- 💰 Tragbarkeit: Wohnkosten dürfen max. 33% des Bruttoeinkommens betragen – gerechnet mit 5% kalkulatorischem Zins
- 📊 Zinsniveau 2026: SARON ab 0.7%, Festhypothek 10 Jahre ab 1.5% – historisch tiefes Niveau (Stand: Februar 2026)
- ⚠️ Grösster Fehler: Nur eine Offerte einholen – mindestens 3-5 Angebote vergleichen
Die erste Hypothek ist für viele der grösste finanzielle Schritt im Leben. Gleichzeitig ist kaum ein Thema so komplex: Eigenkapital zusammenstellen, Tragbarkeit berechnen, das richtige Hypothekenmodell wählen – und dabei die Steuern nicht vergessen.
Grundsätzlich gilt: Je besser du dich vorbereitest, desto günstiger und stressfreier wird der Weg ins Eigenheim. Mit dem aktuellen Zinsniveau sind die Bedingungen historisch attraktiv – die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält den Leitzins bei 0% und die Zürcher Kantonalbank erwartet, dass das bis Ende 2026 so bleibt. Allerdings scheitern viele Erstkäufer an der Tragbarkeit – nicht am fehlenden Willen.
Hier sind die 8 wichtigsten Tipps, die dir helfen, deine erste Hypothek erfolgreich abzuschliessen.
Tipp 1 – Eigenkapital frühzeitig aufbauen
Die wichtigste Hürde zuerst: Du brauchst mindestens 20% des Kaufpreises als Eigenkapital (gemäss FINMA-Richtlinien und Selbstregulierung der Schweizerischen Bankiervereinigung). Davon müssen mindestens 10% aus sogenanntem «hartem Eigenkapital» stammen – also aus Ersparnissen, der Säule 3a, Schenkungen oder Erbvorbezügen.
Die restlichen 10% dürfen aus der Pensionskasse (2. Säule) kommen.
Was als hartes Eigenkapital zählt:
| Quelle | Hartes EK | Weiches EK |
|---|---|---|
| Sparkonto, Wertschriften | Ja | - |
| Säule 3a | Ja | - |
| Schenkungen, Erbvorbezug | Ja | - |
| Pensionskasse (2. Säule) | - | Ja |
| Darlehen von Privatpersonen | Nein | Nein |
Mehr dazu: Eigenkapital für die Hypothek
Tipp 2 – Tragbarkeit vor der Haussuche berechnen
Bevor du mit der Immobiliensuche startest, solltest du deine Tragbarkeit kennen. Die Faustregel der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg): Die jährlichen Wohnkosten dürfen maximal 33% deines Bruttohaushaltseinkommens betragen.
Das Besondere dabei: Banken rechnen nicht mit dem aktuellen Zinssatz, sondern mit einem kalkulatorischen Zinssatz von 5%. Dieser Sicherheitspuffer stellt sicher, dass du die Hypothek auch bei steigenden Zinsen tragen kannst.
So setzt sich die Tragbarkeitsberechnung zusammen:
| Kostenpunkt | Berechnung |
|---|---|
| Hypothekarzinsen | 5% kalkulatorisch auf gesamte Hypothek |
| Amortisation 2. Hypothek | Rückzahlung innert 15 Jahren |
| Nebenkosten | 1% des Liegenschaftswerts pro Jahr |
| Summe | Max. 33% des Bruttoeinkommens |
Nutze unseren Hypothekenrechner oder lies mehr zur Tragbarkeit.
Tipp 3 – Das richtige Hypothekenmodell wählen
In der Schweiz gibt es drei Hauptmodelle für Hypotheken. Jedes hat Vor- und Nachteile – und die richtige Wahl hängt von deiner Risikobereitschaft und Lebenssituation ab.
| Modell | Zinssatz (Stand: Feb. 2026) | Planungssicherheit | Für wen geeignet |
|---|---|---|---|
| SARON-Hypothek | 0.7-1.3% | Niedrig | Risikofreudige mit Reserven |
| Festhypothek 5 Jahre | 1.2-1.6% | Hoch | Sicherheitsorientierte |
| Festhypothek 10 Jahre | 1.5-1.9% | Sehr hoch | Langfristige Planung |
| Variable Hypothek | Höher | Sehr niedrig | Übergangsphase, geplanter Verkauf |
Für Erstkäufer empfehlenswert: Eine Festhypothek gibt dir volle Planungssicherheit. Du weisst genau, was du in den nächsten 5 oder 10 Jahren zahlst – ohne böse Überraschungen.
Alternativ ist eine Tranchenstrategie interessant: Du teilst deine Hypothek zum Beispiel in 50% Festhypothek (10 Jahre) und 50% SARON auf. So profitierst du von tiefen SARON-Zinsen und sicherst gleichzeitig einen Teil ab.
Mehr dazu: SARON vs. Festhypothek im Vergleich
Tipp 4 – Mehrere Offerten einholen und vergleichen
Dieser Tipp allein kann dir mehrere tausend Franken pro Jahr sparen: Hole mindestens 3 bis 5 Hypothekenofferten ein. Die Zinssätze variieren zwischen den Anbietern teils erheblich – bei einer CHF 500’000-Hypothek kann ein Unterschied von 0.3 Prozentpunkten jährlich CHF 1’500 ausmachen.
So vergleichst du richtig:
- Offerten am gleichen Tag einholen (Zinsen schwanken täglich)
- Nicht nur den Zinssatz vergleichen – auch Gebühren, Flexibilität und Konditionen prüfen
- Neben Banken auch Versicherungen und Pensionskassen anfragen
- Online-Hypothekenvermittler als Ergänzung nutzen
Vergleiche die aktuellen Konditionen auf unserer Hypotheken-Vergleichsseite.
Tipp 5 – 1. und 2. Hypothek verstehen
In der Schweiz wird die Finanzierung in zwei Teile aufgeteilt:
- 1. Hypothek: Bis 65% des Liegenschaftswerts. Keine Amortisationspflicht – du kannst diese Hypothek dauerhaft behalten.
- 2. Hypothek: Von 65% bis max. 80% des Liegenschaftswerts. Muss innert 15 Jahren oder bis zur Pensionierung amortisiert (zurückgezahlt) werden.
Beispiel bei einem Haus für CHF 800’000:
| Position | Betrag |
|---|---|
| 1. Hypothek (65%) | CHF 520’000 |
| 2. Hypothek (15%) | CHF 120’000 |
| Eigenkapital (20%) | CHF 160’000 |
Die Amortisation der 2. Hypothek kannst du direkt (regelmässige Rückzahlung) oder indirekt (über die Säule 3a) gestalten. Die indirekte Variante ist steuerlich meist vorteilhafter – laut einer Vergleichsrechnung der Baloise sparst du über 15 Jahre rund CHF 20’000.
Tipp 6 – Nebenkosten nicht vergessen
Ein häufiger Fehler: Erstkäufer kalkulieren nur den Kaufpreis, vergessen aber die Nebenkosten. Diese betragen typischerweise 2 bis 5% des Kaufpreises und müssen aus eigenen Mitteln bezahlt werden.
Typische Kaufnebenkosten:
| Posten | Geschätzte Kosten |
|---|---|
| Notariatsgebühren | CHF 1’000-3’000 |
| Grundbuchgebühren | CHF 500-2’000 |
| Handänderungssteuer (kantonal) | 0-3% des Kaufpreises |
| Schuldbrieferstellung | CHF 500-1’500 |
| Total bei CHF 800’000 | CHF 16’000-40’000 |
Tipp 7 – Vorsorgegelder strategisch einsetzen
Für viele Erstkäufer sind Vorsorgegelder der Schlüssel zur Finanzierung. Dabei hast du zwei Möglichkeiten:
Vorbezug: Du lässt dir Gelder aus der Pensionskasse oder Säule 3a auszahlen. Das erhöht dein Eigenkapital, hinterlässt aber eine Vorsorgelücke.
Verpfändung: Deine Vorsorgegelder bleiben in der Pensionskasse, dienen der Bank aber als Sicherheit. Kein Vorsorgeverlust, aber höhere Hypothek.
| Kriterium | Vorbezug | Verpfändung |
|---|---|---|
| Eigenkapital erhöht | Ja | Nein |
| Vorsorgelücke | Ja | Nein |
| Steuern bei Bezug | Ja (Kapitalsteuer) | Nein |
| Hypothekarzinsen | Tiefer (kleinere Hypothek) | Höher (grössere Hypothek) |
Tipp 8 – Steuern optimieren (Eigenmietwert-Reform beachten)
Wer ein Eigenheim besitzt, profitiert aktuell noch von Steuerabzügen. Allerdings ändert sich das mit der Eigenmietwert-Abschaffung, über die das Schweizer Stimmvolk am 28. September 2025 mit 57.7% Ja-Stimmen entschieden hat. Die Reform tritt voraussichtlich ab 2028 in Kraft.
Bis 2028 (aktuelle Regelung):
- Du versteuerst einen Eigenmietwert als fiktives Einkommen
- Dafür kannst du Hypothekarzinsen und Unterhaltskosten abziehen
Ab 2028 (neue Regelung):
- Kein Eigenmietwert mehr – das ist die gute Nachricht
- Aber: Schuldzinsabzug und Unterhaltsabzug fallen weg
- Ausnahme für Erstkäufer: 10 Jahre beschränkter Schuldzinsabzug bleibt erhalten (gemäss Migros Bank)
Für Erstkäufer 2026:
Wenn du jetzt kaufst, profitierst du doppelt: Noch 2 Jahre Steuervorteil unter altem Regime, danach 10 Jahre Erstkäufer-Schuldzinsabzug unter neuem Regime. Geplante Sanierungen möglichst vor 2028 durchführen, solange sie steuerlich abzugsfähig sind.
Rechenbeispiel – Erste Hypothek für ein CHF 800’000 Eigenheim
Hier siehst du, wie eine typische Finanzierung als Erstkäufer aussehen kann:
| Position | Betrag |
|---|---|
| Kaufpreis Eigenheim | CHF 800’000 |
| Eigenkapital (20%) | CHF 160’000 |
| - davon hartes EK (Sparen + 3a) | CHF 80’000 |
| - davon PK-Vorbezug | CHF 80’000 |
| 1. Hypothek (65%) | CHF 520’000 |
| 2. Hypothek (15%) | CHF 120’000 |
| Gesamte Hypothek | CHF 640’000 |
Jährliche Kosten (kalkulatorisch für Tragbarkeitsprüfung):
| Kostenpunkt | Betrag |
|---|---|
| Hypothekarzinsen (5% auf CHF 640’000) | CHF 32’000 |
| Amortisation 2. Hypothek (15 Jahre) | CHF 8’000 |
| Nebenkosten (1% von CHF 800’000) | CHF 8’000 |
| Total jährlich | CHF 48’000 |
| Benötigtes Bruttoeinkommen (÷ 33%) | CHF 145’455 |
Effektive Kosten mit aktuellen Zinsen (Stand: Februar 2026):
| Kostenpunkt | Betrag |
|---|---|
| Hypothekarzinsen (1.5% Festhypothek 10 Jahre) | CHF 9’600 |
| Amortisation 2. Hypothek | CHF 8’000 |
| Nebenkosten | CHF 8’000 |
| Total jährlich (effektiv) | CHF 25’600 |
| Monatliche Belastung | CHF 2’133 |
Die kalkulatorische Belastung ist also fast doppelt so hoch wie die tatsächliche. Das zeigt, wie konservativ die Tragbarkeitsberechnung ist – und warum sie manchen Erstkäufern den Zugang erschwert.
Checkliste für Erstkäufer
Budget und Tragbarkeit berechnen
Kläre vor der Immobiliensuche, wie viel du dir leisten kannst. Nutze einen Hypothekenrechner oder lass dich beraten.
Eigenkapital zusammenstellen
Prüfe alle Quellen: Erspartes, Säule 3a, Pensionskasse, Schenkungen. Mindestens 22-25% des Kaufpreises einplanen.
Immobilie suchen und prüfen
Besichtige mehrere Objekte. Lass dein Wunschobjekt von einem Fachmann begutachten, bevor du unterschreibst.
Hypothekenofferten einholen
Mindestens 3-5 Offerten bei verschiedenen Anbietern anfragen. Am gleichen Tag vergleichen.
Hypothekenmodell wählen
Entscheide dich für Festhypothek, SARON oder eine Kombination. Lass dich nicht nur vom tiefsten Zins leiten.
Kaufvertrag prüfen und unterzeichnen
Lass den Kaufvertrag von einem Notar oder Anwalt prüfen. Achte auf Gewährleistungsklauseln.
Steuerliche Optimierung planen
Besprich mit einem Steuerberater die optimale Amortisationsstrategie und den Einsatz von Vorsorgegeldern.
