
LIBOR Hypothek Schweiz: Was du über das abgelöste Modell wissen musst
Die LIBOR-Hypothek war jahrzehntelang die beliebteste Geldmarkthypothek der Schweiz. Ende 2021 wurde sie durch die SARON-Hypothek ersetzt. Hier erfährst du, warum.
LIBOR Hypothek: Die wichtigsten Fakten
Das Wichtigste auf einen Blick
- 🏦 Was war LIBOR? Der London Interbank Offered Rate – ein internationaler Referenzzinssatz, auf dem Geldmarkthypotheken in der Schweiz basierten
- 📅 Abgeschafft per: 31. Dezember 2021 – ersetzt durch den SARON (Swiss Average Rate Overnight)
- ⚠️ Grund: LIBOR-Manipulationsskandal und fehlende Transaktionsbasis nach der Finanzkrise 2008
- ✅ Heute: Alle ehemaligen LIBOR-Hypotheken wurden automatisch auf SARON umgestellt
Was war die LIBOR-Hypothek?
Die LIBOR-Hypothek war eine Geldmarkthypothek mit variablem Zinssatz. LIBOR steht für London Interbank Offered Rate – der Zinssatz, zu dem sich internationale Grossbanken gegenseitig kurzfristige Kredite gewährten. Erstmals publiziert wurde der LIBOR im Januar 1986.
Grundsätzlich gilt: Der Zinssatz einer LIBOR-Hypothek setzte sich aus zwei Komponenten zusammen:
- LIBOR-Referenzzins (variabler Anteil) – meist der 3-Monats- oder 6-Monats-LIBOR in Schweizer Franken
- Bankmarge (fixer Anteil) – ein individueller Zuschlag der Bank, typischerweise zwischen 0.80% und 1.50%
LIBOR-Hypotheken hatten einen Rahmenvertrag mit einer festen Laufzeit von 2 bis 5 Jahren. Innerhalb dieser Laufzeit wurde der Zinssatz alle 3 oder 6 Monate an den aktuellen LIBOR angepasst. Ein zentraler Vorteil: Du wusstest am Anfang jeder Zinsperiode, welchen Zins du für die nächsten Monate zahlst.
In der Schweiz machten LIBOR-Hypotheken rund 20% des gesamten Hypothekarvolumens aus – das entsprach gemäss Schätzungen etwa CHF 200 Milliarden (Quelle: Baloise, 2021).
So funktionierte die LIBOR-Hypothek
Der Zinsmechanismus war vergleichsweise einfach: Am ersten Tag einer Zinsperiode (z.B. 1. Januar) wurde der aktuelle 3-Monats-LIBOR fixiert. Dieser galt dann für die gesamten nächsten drei Monate.
Rechenbeispiel
| Position | Wert |
|---|---|
| Hypothekarsumme | CHF 500'000 |
| 3-Monats-LIBOR (CHF) | -0.75% |
| Floor (Untergrenze) | 0.00% |
| Bankmarge | +1.10% |
| Effektiver Zinssatz | 1.10% |
| Jährliche Zinskosten | CHF 5'500 |
In Zeiten negativer LIBOR-Zinsen (2015–2021) lag der effektive Referenzzins bei 0%, da die meisten Banken einen sogenannten Floor einführten. Du zahltest dann nur die Bankmarge – was die LIBOR-Hypothek in dieser Phase besonders günstig machte.
Historische LIBOR-Zinsen (CHF, 3 Monate)
Zum Vergleich: Der 3-Monats-CHF-LIBOR bewegte sich über die Jahrzehnte erheblich:
| Zeitraum | Ungefährer LIBOR-Zinssatz |
|---|---|
| 2000–2007 | 0.50% bis 3.00% |
| 2008 (Finanzkrise) | Anstieg auf bis zu 3.00%, dann rascher Rückgang |
| 2009–2014 | 0.00% bis 0.50% |
| 2015–2021 | Negativ: -0.70% bis -0.80% |
Diese starken Schwankungen zeigen, warum LIBOR-Hypotheken sowohl grosse Chancen als auch Risiken bargen. In Hochzinsphasen konnten die Zinskosten deutlich steigen.
Warum wurde der LIBOR abgeschafft?
Die Abschaffung des LIBOR hatte zwei Hauptgründe: den Vertrauensverlust durch den Manipulationsskandal und eine strukturelle Schwäche nach der Finanzkrise.
Der LIBOR-Manipulationsskandal
Ab 2012 deckten Ermittler in mehr als sieben Ländern einen der grössten Finanzskandale der Geschichte auf: Mehrere Grossbanken hatten den LIBOR über Jahre systematisch manipuliert. Händler bei Barclays, UBS, Deutsche Bank, Rabobank und weiteren Instituten hatten die LIBOR-Meldungen gezielt beeinflusst – teils um aus Derivatpositionen Gewinne zu erzielen, teils um ihre Bank in der Finanzkrise stabiler erscheinen zu lassen.
Die Konsequenzen waren beispiellos:
- Bussen von über 9 Milliarden US-Dollar weltweit
- Hunderte Händler entlassen oder suspendiert
- Mehrere CEO-Rücktritte (u.a. Barclays CEO Robert Diamond)
- Strafrechtliche Verfahren gegen einzelne Händler
Strukturelle Schwächen
Hinzu kam ein fundamentales Problem: Nach der Finanzkrise 2008 liehen sich Banken kaum noch gegenseitig ungesicherte Gelder. Dem LIBOR fehlte zunehmend die Basis aus echten Transaktionen. Die Meldungen der Banken beruhten immer stärker auf Schätzungen statt auf realen Geschäften – was die Anfälligkeit für Manipulation weiter erhöhte.
Im Juli 2017 verkündete die britische Finanzmarktaufsicht (FCA) den Entscheid: Der LIBOR wird nach 2021 nicht mehr unterstützt. Damit war das Ende des Referenzzinssatzes besiegelt.
Von LIBOR zu SARON: Die Umstellung in der Schweiz
Die Schweiz reagierte frühzeitig und strukturiert auf das LIBOR-Ende. Die Nationale Arbeitsgruppe für Referenzzinssätze in Franken – bestehend aus SNB, FINMA, SIX und Marktteilnehmern – empfahl den SARON als Nachfolger für den CHF-LIBOR.
Was ist der SARON?
SARON steht für Swiss Average Rate Overnight. Er wird seit 2009 von der SIX Swiss Exchange berechnet und basiert auf tatsächlichen Transaktionen im besicherten Schweizer Geldmarkt (Repo-Markt). Rund 160 Banken und Versicherer tragen zur Berechnung bei – darunter auch die Schweizerische Nationalbank.
Im Gegensatz zum LIBOR ist der SARON:
- Transaktionsbasiert statt schätzungsbasiert
- Besichert (Repo-Markt) statt unbesichert
- Schweizerisch statt international (London)
- Manipulationsresistenter dank breiter Datenbasis
Timeline der Umstellung
2009: SARON wird eingeführt
SIX und SNB entwickeln den SARON als Referenzzinssatz für den Schweizer Geldmarkt.
Juli 2017: FCA verkündet LIBOR-Ende
Die britische Finanzmarktaufsicht kündigt an, den LIBOR nach 2021 nicht mehr zu unterstützen.
Dezember 2020: FINMA publiziert Transition-Roadmap
Aufsichtsmitteilung 10/2020 gibt Schweizer Banken konkrete Meilensteine und Fristen.
30. Juni 2021: Neue Verträge nur noch mit SARON
Ab diesem Datum dürfen keine neuen LIBOR-basierten Verträge mehr abgeschlossen werden.
31. Dezember 2021: LIBOR wird eingestellt
Der CHF-LIBOR wird zum letzten Mal publiziert. Alle bestehenden Verträge werden auf SARON umgestellt.
Ab 2022: SARON als neuer Standard
Die SARON-Hypothek ist das einzige Geldmarkthypothek-Modell in der Schweiz.
«A new era of reference interest rates began at the start of this year. SARON now fully replaced Swiss franc Libor.»
Schweizerische Nationalbank, März 2022
Die FINMA stufte das Risiko eines ungeordneten LIBOR-Ausstiegs im Risikomonitor 2021 herunter – ein Zeichen dafür, dass die Umstellung reibungslos verlief (Quelle: FINMA Risikomonitor 2021).
LIBOR vs. SARON: Die wichtigsten Unterschiede
| Merkmal | LIBOR | SARON |
|---|---|---|
| Vollständiger Name | London Interbank Offered Rate | Swiss Average Rate Overnight |
| Berechnungsbasis | Schätzungen von Panelbanken | Tatsächliche Transaktionen (Repo-Markt) |
| Besicherung | Unbesichert | Besichert (Wertpapiere als Sicherheit) |
| Verwaltung | London (international) | Schweiz (SIX Swiss Exchange) |
| Laufzeit | 1, 3, 6 oder 12 Monate | Overnight (Tageszins) |
| Zinsfestlegung | Am Anfang der Periode (forward-looking) | Am Ende der Periode (backward-looking) |
| Manipulationsrisiko | Hoch (wenige Banken, Schätzungen) | Tief (160+ Teilnehmer, reale Transaktionen) |
| Status | Abgeschafft per 31.12.2021 | Aktueller Referenzzinssatz |
Der grösste Unterschied für dich als Hypothekarnehmer: Bei der LIBOR-Hypothek wusstest du am Anfang des Quartals, welchen Zins du zahlst. Bei der SARON-Hypothek wird der effektive Zinssatz erst am Ende der dreimonatigen Zinsperiode berechnet – ähnlich wie beim Strom, wo du die Rechnung nach dem Verbrauch erhältst.
In der Praxis bewegen sich SARON und der frühere LIBOR auf ähnlichem Niveau. Die Differenz ist gering, und die meisten Hypothekarnehmer bemerkten bei der Umstellung kaum einen Kostenunterschied.
Was bedeutet das heute für dich?
Falls du vor 2022 eine LIBOR-Hypothek hattest: Deine Bank hat die Umstellung auf SARON automatisch vorgenommen. Die grundlegende Funktionsweise – Referenzzins plus Marge – ist gleich geblieben.
Aktuelle Situation (Stand: Februar 2026)
- SARON: ca. -0.04% (nahe null bei SNB-Leitzins von 0%)
- SARON-Hypothek Gesamtzins: ca. 0.75–1.30% (je nach Bankmarge und Bonität)
- Festhypothek 5 Jahre: ca. 1.20–1.60%
- Festhypothek 10 Jahre: ca. 1.50–1.90%
Die SARON-Hypothek ist aktuell die günstigste Hypothekenart in der Schweiz. Wenn du dich für die aktuellen Konditionen interessierst, findest du alle Details in unserem SARON-Hypothek Ratgeber. Einen Überblick über alle Hypothekenmodelle bietet unser Hypotheken Vergleich.
