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Tragbarkeit Hypothek berechnen: Die 33%-Regel einfach erklärt
Hypotheken

Tragbarkeit Hypothek berechnen: Die 33%-Regel einfach erklärt

Die Tragbarkeit zeigt, ob du dir eine Hypothek leisten kannst. Schweizer Banken rechnen dabei nicht mit dem aktuellen Zinssatz, sondern mit einem kalkulatorischen Zins von 5%. Dazu kommen 1% Nebenkosten und die Amortisation. Wir zeigen dir, wie die Rechnung funktioniert.

Alexander SengerAlexander Senger
Aktualisiert: 3. April 2026

Was ist Tragbarkeit bei einer Hypothek?

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die Tragbarkeit prüft, ob du dir die Hypothek auch bei steigenden Zinsen leisten kannst
  • Schweizer Banken rechnen mit einem kalkulatorischen Zinssatz von 5% – nicht dem aktuellen Marktzins
  • Faustregel: Maximal 33% deines Bruttoeinkommens dürfen für kalkulatorische Wohnkosten draufgehen
  • Für eine Liegenschaft von CHF 1’000’000 (20% Eigenkapital) brauchst du rund CHF 182’000 Bruttoeinkommen pro Jahr

Tragbarkeit bedeutet: Kannst du dir die Hypothek auch dann noch leisten, wenn die Zinsen steigen?

Schweizer Banken gehen davon aus, dass Zinsen schwanken. Deshalb rechnen sie nicht mit dem aktuellen Zinssatz (z.B. 1.5%), sondern mit einem kalkulatorischen Zinssatz von 5%. Das klingt streng – ist aber ein Sicherheitsnetz für dich und die Bank.

Die Grundidee dahinter: Wenn du die kalkulatorischen Kosten bei 5% Zins tragen kannst, wirst du auch bei steigenden Zinsen nicht in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) hat diese Regel als Branchenstandard etabliert, und die FINMA anerkennt sie als aufsichtsrechtlichen Mindeststandard.

Gut zu wissen: Der kalkulatorische Zinssatz von 5% ist eine Schweizer Besonderheit. In Deutschland oder Österreich rechnen Banken oft mit dem tatsächlichen Zinssatz – was zu höheren Hypotheken führen kann, aber auch mehr Risiko birgt.

Die 33%-Regel: So berechnen Banken die Tragbarkeit deiner Hypothek

Grundsätzlich gilt: Maximal ein Drittel deines Bruttoeinkommens darf für die kalkulatorischen Wohnkosten draufgehen.

Die 33%-Regel: Hypothekarzinsen (5% kalk.) + Nebenkosten (1% p.a.) + Amortisation ≤ 33% Bruttoeinkommen

Diese Wohnkosten setzen sich zusammen aus drei Bestandteilen:

Kostenart Berechnung Zweck
Hypothekarzinsen 5% kalkulatorisch auf die gesamte Hypothek Zinsrisiko abdecken
Nebenkosten 1% des Liegenschaftswerts pro Jahr Unterhalt, Reparaturen, Versicherungen
Amortisation 2. Hypothek innerhalb von 15 Jahren tilgen Schuldenabbau auf 2/3 Belehnung

Warum 33%? Diese Faustregel hat sich über Jahrzehnte bewährt. Sie lässt dir genug Spielraum für andere Ausgaben – auch wenn die Zinsen steigen oder unvorhergesehene Kosten anfallen.

Einige Banken akzeptieren bei hohen Einkommen (über CHF 250’000) auch 35% oder 38%. Allerdings: Je knapper die Tragbarkeit, desto weniger Verhandlungsspielraum beim Zinssatz. (Stand: April 2026)

Der kalkulatorische Zinssatz: Warum 5%?

Der aktuelle SARON liegt bei etwa 0.0%, Festhypotheken kosten rund 1.5% – warum also rechnet die Bank mit 5%?

Hypotheken laufen oft 20, 30 oder mehr Jahre. In dieser Zeit können die Zinsen stark schwanken. Der kalkulatorische Zinssatz von 5% ist ein Stresstest: Wenn du dir die Hypothek bei 5% leisten kannst, überlebst du auch Zinsspitzen.

Historischer Kontext:

  • 1990er-Jahre: Hypothekarzinsen über 7%
  • 2008: Zinsen noch bei 3-4%
  • 2015-2022: Negativzinsphase (unter 1%)
  • 2023-2024: Zinsanstieg auf 2-3%
  • 2026: Wieder unter 2% (Stand: April 2026)

Der kalkulatorische Zinssatz schützt dich vor dem Szenario, das viele Eigenheimbesitzer in den 1990ern erlebt haben: Plötzlich steigende Zinsen, die das Budget sprengen.

Rechenbeispiel: Tragbarkeit bei CHF 1’000’000

Ein konkretes Beispiel zeigt, wie die Rechnung funktioniert.

Ausgangslage:

  • Kaufpreis Liegenschaft: CHF 1’000’000
  • Eigenkapital: CHF 200’000 (20%)
  • Hypothek: CHF 800’000 (80% Belehnung)
    • 1. Hypothek (bis 65%): CHF 650’000
    • 2. Hypothek (15%): CHF 150’000
1

Kalkulatorische Kosten berechnen

Multipliziere die Hypothek mit 5%, addiere 1% Nebenkosten und die jährliche Amortisation der 2. Hypothek.

2

Benötigtes Einkommen ermitteln

Teile die kalkulatorischen Gesamtkosten durch 0.33 (ein Drittel). Das Ergebnis ist das Mindesteinkommen.

3

Tragbarkeit prüfen

Vergleiche dein Bruttoeinkommen mit dem Mindesteinkommen. Liegt dein Einkommen darüber, ist die Hypothek tragbar.

Position Berechnung Betrag/Jahr
Hypothekarzinsen CHF 800’000 x 5% CHF 40’000
Nebenkosten CHF 1’000’000 x 1% CHF 10’000
Amortisation 2. Hypothek CHF 150’000 / 15 Jahre CHF 10’000
Kalkulatorische Gesamtkosten   CHF 60’000
Benötigtes Bruttoeinkommen CHF 60’000 / 33% CHF 181’818

Gerundet: Du brauchst rund CHF 182’000 Bruttoeinkommen pro Jahr – das entspricht etwa CHF 15’200 pro Monat.

Wie sieht die Tragbarkeit bei verschiedenen Einkommensstufen aus?

Dein Bruttoeinkommen Wohnkostenanteil Tragbarkeit
CHF 200’000/Jahr 30.0% Tragbar
CHF 182’000/Jahr 33.0% Knapp tragbar
CHF 150’000/Jahr 40.0% Nicht tragbar
CHF 120’000/Jahr 50.0% Nicht tragbar

Bei einem Paar mit zwei Einkommen ist CHF 182’000 deutlich realistischer als bei einem Einzeleinkommen.

Was zählt zum anrechenbaren Einkommen?

Nicht jeder Franken, den du verdienst, zählt gleich viel. Banken unterscheiden zwischen «sicherem» und «unsicherem» Einkommen.

Voll angerechnet (100%):

  • Festanstellung: Grundlohn (gemäss Lohnausweis)
  • 13. Monatslohn (wenn vertraglich garantiert)
  • Regelmässige Kinderzulagen

Teilweise angerechnet (50-80%):

  • Bonus/Provision (Durchschnitt der letzten 2-3 Jahre)
  • Nebeneinkommen (wenn regelmässig und dokumentiert)
  • Mieteinnahmen aus Renditeobjekten

Nicht oder kaum angerechnet:

  • Einmalige Boni oder Sonderzahlungen
  • Einkommen aus befristeten Verträgen
  • Künftige Lohnerhöhungen (ausser schriftlich vereinbart)

Dokumentations-Tipp: Halte deinen Arbeitsvertrag, die letzten 3 Lohnabrechnungen und den aktuellen Lohnausweis bereit. Je besser dokumentiert, desto mehr wird angerechnet.

Partnereinkommen: So rechnen Banken bei Paaren

Wenn du verheiratet bist oder in eingetragener Partnerschaft lebst, können beide Einkommen zusammengezählt werden. Das macht bei der Tragbarkeit oft den entscheidenden Unterschied.

Situation Einkommen Tragbar bis (ca.)
Einzelperson CHF 120’000 ~CHF 535’000 Hypothek
Paar (beide berufstätig) CHF 200’000 ~CHF 900’000 Hypothek

Bei Konkubinat können unverheiratete Paare beide Einkommen ebenfalls addieren. Allerdings verlangen Banken oft, dass beide als Solidarschuldner unterschreiben. Das bedeutet: Jede Person haftet für die gesamte Hypothek.

Tragbarkeit knapp? Diese 7 Optionen hast du

Wenn die Tragbarkeit nicht aufgeht, ist das nicht das Ende. Hier sind realistische Möglichkeiten:

Option 1: Mehr Eigenkapital einbringen
Jeder zusätzliche Franken Eigenkapital reduziert die Hypothek – und damit die kalkulatorischen Kosten. Beispiel: CHF 50’000 mehr Eigenkapital senkt das benötigte Einkommen um etwa CHF 11’000/Jahr.

Option 2: Günstigere Immobilie wählen
Eine Reduktion des Kaufpreises um CHF 100’000 senkt das benötigte Einkommen um rund CHF 17’000/Jahr.

Option 3: Schenkung oder Erbvorbezug
Können Eltern oder Verwandte mit einer Schenkung helfen? Das erhöht das Eigenkapital und verbessert die Tragbarkeit sofort.

Option 4: Säule 3a für den Hauskauf nutzen
Säule-3a-Guthaben zählt als «hartes» Eigenkapital. Du kannst es vorbeziehen oder verpfänden – beides verbessert die Tragbarkeit.

Option 5: Einkommen erhöhen
Ein Jobwechsel, eine Beförderung oder die Rückkehr des Partners in höheres Arbeitspensum können die Tragbarkeit verbessern. Banken schauen auf das dokumentierte Einkommen – nicht auf Versprechen.

Option 6: Andere Bank anfragen
Nicht alle Banken rechnen gleich streng. Versicherungen und Pensionskassen haben manchmal andere Kriterien als Grossbanken. Ein Hypothekenvergleich lohnt sich.

Option 7: Warten und sparen
Wenn keine der Optionen kurzfristig funktioniert: Geduld. Mehr sparen, Einkommen entwickeln, bessere Immobilie suchen. Ein Jahr Wartezeit kann CHF 20’000-30’000 mehr Eigenkapital bedeuten.

5 häufige Fehler bei der Tragbarkeitsberechnung

Achtung: Diese Fehler führen häufig dazu, dass die Tragbarkeit falsch eingeschätzt wird – und die Bank den Antrag ablehnt.

Fehler 1: Mit dem aktuellen Zinssatz rechnen
Viele Käufer rechnen mit 1.5% statt 5% und wundern sich, warum die Bank ablehnt. Der kalkulatorische Zinssatz ist Pflicht.

Fehler 2: Nebenkosten vergessen
Die 1% Nebenkosten (CHF 10’000/Jahr bei CHF 1’000’000 Liegenschaft) werden oft unterschätzt. Sie sind Teil der Tragbarkeitsrechnung.

Fehler 3: Amortisation ignorieren
Die Amortisation der 2. Hypothek muss in der 33%-Regel berücksichtigt werden – auch wenn du planst, indirekt über die Säule 3a zu amortisieren.

Fehler 4: Bonus voll einrechnen
Dein Bonus von CHF 20’000 zählt nicht 1:1. Banken rechnen oft nur 50-80% des Durchschnitts der letzten Jahre an.

Fehler 5: Allein statt als Paar anfragen
Wenn dein Partner ebenfalls verdient, macht die gemeinsame Anfrage einen grossen Unterschied. Allein scheitert die Tragbarkeit oft, zu zweit funktioniert sie.

Alexander Senger

Geprüft und freigegeben von

Alexander Senger

Gründer & Geschäftsführer

Als Diplom-Finanzfachwirt (FH) und Gründer der Capitalo Finanzservices GmbH bewertet er seit 2014 systematisch Finanzprodukte im DACH-Raum. Capitalo steht für unabhängige, transparente Vergleiche – kostenlos und im Interesse der Nutzer. Erstellt mit KI-Unterstützung, fachlich geprüft und freigegeben von Alexander Senger.

Erfahrung

15+ Jahre Finanzbranche

Qualifikation

Diplom-Finanzfachwirt (FH)

Registrierung

§34c & §34d GewO

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Inhaltsverzeichnis

  • Die 33%-Regel: So berechnen Banken die Tragbarkeit deiner Hypothek
  • Rechenbeispiel: Tragbarkeit bei CHF 1’000’000
  • Was zählt zum anrechenbaren Einkommen?
  • Tragbarkeit knapp? Diese 7 Optionen hast du
  • 5 häufige Fehler bei der Tragbarkeitsberechnung

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