
Tragbarkeit Hypothek berechnen: Die 33%-Regel einfach erklärt
Die Tragbarkeit zeigt, ob du dir eine Hypothek leisten kannst. Schweizer Banken rechnen dabei nicht mit dem aktuellen Zinssatz, sondern mit einem kalkulatorischen Zins von 5%. Dazu kommen 1% Nebenkosten und die Amortisation. Wir zeigen dir, wie die Rechnung funktioniert.
Was ist Tragbarkeit bei einer Hypothek?
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Tragbarkeit prüft, ob du dir die Hypothek auch bei steigenden Zinsen leisten kannst
- Schweizer Banken rechnen mit einem kalkulatorischen Zinssatz von 5% – nicht dem aktuellen Marktzins
- Faustregel: Maximal 33% deines Bruttoeinkommens dürfen für kalkulatorische Wohnkosten draufgehen
- Für eine Liegenschaft von CHF 1’000’000 (20% Eigenkapital) brauchst du rund CHF 182’000 Bruttoeinkommen pro Jahr
Tragbarkeit bedeutet: Kannst du dir die Hypothek auch dann noch leisten, wenn die Zinsen steigen?
Schweizer Banken gehen davon aus, dass Zinsen schwanken. Deshalb rechnen sie nicht mit dem aktuellen Zinssatz (z.B. 1.5%), sondern mit einem kalkulatorischen Zinssatz von 5%. Das klingt streng – ist aber ein Sicherheitsnetz für dich und die Bank.
Die Grundidee dahinter: Wenn du die kalkulatorischen Kosten bei 5% Zins tragen kannst, wirst du auch bei steigenden Zinsen nicht in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Die Schweizerische Bankiervereinigung (SBVg) hat diese Regel als Branchenstandard etabliert, und die FINMA anerkennt sie als aufsichtsrechtlichen Mindeststandard.
Die 33%-Regel: So berechnen Banken die Tragbarkeit deiner Hypothek
Grundsätzlich gilt: Maximal ein Drittel deines Bruttoeinkommens darf für die kalkulatorischen Wohnkosten draufgehen.
Die 33%-Regel: Hypothekarzinsen (5% kalk.) + Nebenkosten (1% p.a.) + Amortisation ≤ 33% Bruttoeinkommen
Diese Wohnkosten setzen sich zusammen aus drei Bestandteilen:
| Kostenart | Berechnung | Zweck |
|---|---|---|
| Hypothekarzinsen | 5% kalkulatorisch auf die gesamte Hypothek | Zinsrisiko abdecken |
| Nebenkosten | 1% des Liegenschaftswerts pro Jahr | Unterhalt, Reparaturen, Versicherungen |
| Amortisation | 2. Hypothek innerhalb von 15 Jahren tilgen | Schuldenabbau auf 2/3 Belehnung |
Warum 33%? Diese Faustregel hat sich über Jahrzehnte bewährt. Sie lässt dir genug Spielraum für andere Ausgaben – auch wenn die Zinsen steigen oder unvorhergesehene Kosten anfallen.
Einige Banken akzeptieren bei hohen Einkommen (über CHF 250’000) auch 35% oder 38%. Allerdings: Je knapper die Tragbarkeit, desto weniger Verhandlungsspielraum beim Zinssatz. (Stand: April 2026)
Der kalkulatorische Zinssatz: Warum 5%?
Der aktuelle SARON liegt bei etwa 0.0%, Festhypotheken kosten rund 1.5% – warum also rechnet die Bank mit 5%?
Hypotheken laufen oft 20, 30 oder mehr Jahre. In dieser Zeit können die Zinsen stark schwanken. Der kalkulatorische Zinssatz von 5% ist ein Stresstest: Wenn du dir die Hypothek bei 5% leisten kannst, überlebst du auch Zinsspitzen.
Historischer Kontext:
- 1990er-Jahre: Hypothekarzinsen über 7%
- 2008: Zinsen noch bei 3-4%
- 2015-2022: Negativzinsphase (unter 1%)
- 2023-2024: Zinsanstieg auf 2-3%
- 2026: Wieder unter 2% (Stand: April 2026)
Der kalkulatorische Zinssatz schützt dich vor dem Szenario, das viele Eigenheimbesitzer in den 1990ern erlebt haben: Plötzlich steigende Zinsen, die das Budget sprengen.
Rechenbeispiel: Tragbarkeit bei CHF 1’000’000
Ein konkretes Beispiel zeigt, wie die Rechnung funktioniert.
Ausgangslage:
- Kaufpreis Liegenschaft: CHF 1’000’000
- Eigenkapital: CHF 200’000 (20%)
- Hypothek: CHF 800’000 (80% Belehnung)
- 1. Hypothek (bis 65%): CHF 650’000
- 2. Hypothek (15%): CHF 150’000
Kalkulatorische Kosten berechnen
Multipliziere die Hypothek mit 5%, addiere 1% Nebenkosten und die jährliche Amortisation der 2. Hypothek.
Benötigtes Einkommen ermitteln
Teile die kalkulatorischen Gesamtkosten durch 0.33 (ein Drittel). Das Ergebnis ist das Mindesteinkommen.
Tragbarkeit prüfen
Vergleiche dein Bruttoeinkommen mit dem Mindesteinkommen. Liegt dein Einkommen darüber, ist die Hypothek tragbar.
| Position | Berechnung | Betrag/Jahr |
|---|---|---|
| Hypothekarzinsen | CHF 800’000 x 5% | CHF 40’000 |
| Nebenkosten | CHF 1’000’000 x 1% | CHF 10’000 |
| Amortisation 2. Hypothek | CHF 150’000 / 15 Jahre | CHF 10’000 |
| Kalkulatorische Gesamtkosten | CHF 60’000 | |
| Benötigtes Bruttoeinkommen | CHF 60’000 / 33% | CHF 181’818 |
Gerundet: Du brauchst rund CHF 182’000 Bruttoeinkommen pro Jahr – das entspricht etwa CHF 15’200 pro Monat.
Wie sieht die Tragbarkeit bei verschiedenen Einkommensstufen aus?
| Dein Bruttoeinkommen | Wohnkostenanteil | Tragbarkeit |
|---|---|---|
| CHF 200’000/Jahr | 30.0% | Tragbar |
| CHF 182’000/Jahr | 33.0% | Knapp tragbar |
| CHF 150’000/Jahr | 40.0% | Nicht tragbar |
| CHF 120’000/Jahr | 50.0% | Nicht tragbar |
Bei einem Paar mit zwei Einkommen ist CHF 182’000 deutlich realistischer als bei einem Einzeleinkommen.
Was zählt zum anrechenbaren Einkommen?
Nicht jeder Franken, den du verdienst, zählt gleich viel. Banken unterscheiden zwischen «sicherem» und «unsicherem» Einkommen.
Voll angerechnet (100%):
- Festanstellung: Grundlohn (gemäss Lohnausweis)
- 13. Monatslohn (wenn vertraglich garantiert)
- Regelmässige Kinderzulagen
Teilweise angerechnet (50-80%):
- Bonus/Provision (Durchschnitt der letzten 2-3 Jahre)
- Nebeneinkommen (wenn regelmässig und dokumentiert)
- Mieteinnahmen aus Renditeobjekten
Nicht oder kaum angerechnet:
- Einmalige Boni oder Sonderzahlungen
- Einkommen aus befristeten Verträgen
- Künftige Lohnerhöhungen (ausser schriftlich vereinbart)
Partnereinkommen: So rechnen Banken bei Paaren
Wenn du verheiratet bist oder in eingetragener Partnerschaft lebst, können beide Einkommen zusammengezählt werden. Das macht bei der Tragbarkeit oft den entscheidenden Unterschied.
| Situation | Einkommen | Tragbar bis (ca.) |
|---|---|---|
| Einzelperson | CHF 120’000 | ~CHF 535’000 Hypothek |
| Paar (beide berufstätig) | CHF 200’000 | ~CHF 900’000 Hypothek |
Bei Konkubinat können unverheiratete Paare beide Einkommen ebenfalls addieren. Allerdings verlangen Banken oft, dass beide als Solidarschuldner unterschreiben. Das bedeutet: Jede Person haftet für die gesamte Hypothek.
Tragbarkeit knapp? Diese 7 Optionen hast du
Wenn die Tragbarkeit nicht aufgeht, ist das nicht das Ende. Hier sind realistische Möglichkeiten:
Option 1: Mehr Eigenkapital einbringen
Jeder zusätzliche Franken Eigenkapital reduziert die Hypothek – und damit die kalkulatorischen Kosten. Beispiel: CHF 50’000 mehr Eigenkapital senkt das benötigte Einkommen um etwa CHF 11’000/Jahr.
Option 2: Günstigere Immobilie wählen
Eine Reduktion des Kaufpreises um CHF 100’000 senkt das benötigte Einkommen um rund CHF 17’000/Jahr.
Option 3: Schenkung oder Erbvorbezug
Können Eltern oder Verwandte mit einer Schenkung helfen? Das erhöht das Eigenkapital und verbessert die Tragbarkeit sofort.
Option 4: Säule 3a für den Hauskauf nutzen
Säule-3a-Guthaben zählt als «hartes» Eigenkapital. Du kannst es vorbeziehen oder verpfänden – beides verbessert die Tragbarkeit.
Option 5: Einkommen erhöhen
Ein Jobwechsel, eine Beförderung oder die Rückkehr des Partners in höheres Arbeitspensum können die Tragbarkeit verbessern. Banken schauen auf das dokumentierte Einkommen – nicht auf Versprechen.
Option 6: Andere Bank anfragen
Nicht alle Banken rechnen gleich streng. Versicherungen und Pensionskassen haben manchmal andere Kriterien als Grossbanken. Ein Hypothekenvergleich lohnt sich.
Option 7: Warten und sparen
Wenn keine der Optionen kurzfristig funktioniert: Geduld. Mehr sparen, Einkommen entwickeln, bessere Immobilie suchen. Ein Jahr Wartezeit kann CHF 20’000-30’000 mehr Eigenkapital bedeuten.
5 häufige Fehler bei der Tragbarkeitsberechnung
Fehler 1: Mit dem aktuellen Zinssatz rechnen
Viele Käufer rechnen mit 1.5% statt 5% und wundern sich, warum die Bank ablehnt. Der kalkulatorische Zinssatz ist Pflicht.
Fehler 2: Nebenkosten vergessen
Die 1% Nebenkosten (CHF 10’000/Jahr bei CHF 1’000’000 Liegenschaft) werden oft unterschätzt. Sie sind Teil der Tragbarkeitsrechnung.
Fehler 3: Amortisation ignorieren
Die Amortisation der 2. Hypothek muss in der 33%-Regel berücksichtigt werden – auch wenn du planst, indirekt über die Säule 3a zu amortisieren.
Fehler 4: Bonus voll einrechnen
Dein Bonus von CHF 20’000 zählt nicht 1:1. Banken rechnen oft nur 50-80% des Durchschnitts der letzten Jahre an.
Fehler 5: Allein statt als Paar anfragen
Wenn dein Partner ebenfalls verdient, macht die gemeinsame Anfrage einen grossen Unterschied. Allein scheitert die Tragbarkeit oft, zu zweit funktioniert sie.
Häufige Fragen zur Tragbarkeit
Was ist der kalkulatorische Zinssatz und warum liegt er bei 5%?
Der kalkulatorische Zinssatz ist ein fiktiver Zinssatz, mit dem Schweizer Banken die Tragbarkeit berechnen. Er liegt bei 5%, unabhängig vom aktuellen Marktzins. Der Grund: Hypotheken laufen oft 20-30 Jahre. In dieser Zeit können Zinsen stark steigen (wie in den 1990er-Jahren mit über 7%). Der kalkulatorische Zinssatz stellt sicher, dass du auch bei Zinsspitzen zahlungsfähig bleibst.
Wie berechne ich die Tragbarkeit selbst?
Die Formel: (Hypothek x 5%) + (Liegenschaftswert x 1%) + (Amortisation 2. Hypothek) = Kalkulatorische Kosten. Das benötigte Einkommen ergibt sich aus: Kalkulatorische Kosten / 0.33. Beispiel bei CHF 800’000 Hypothek und CHF 1’000’000 Kaufpreis: CHF 40’000 + CHF 10’000 + CHF 10’000 = CHF 60’000 / 0.33 = CHF 181’818. Nutze unseren Tragbarkeitsrechner für eine schnelle Berechnung.
Gilt die 33%-Regel bei allen Banken?
Die 33%-Regel ist der Schweizer Standard und wird von den meisten Banken angewendet. Allerdings gibt es Ausnahmen: Bei hohen Einkommen (über CHF 250’000) akzeptieren manche Banken 35-38%. Versicherungen und Pensionskassen haben manchmal andere Kriterien. Bei sehr hohem Eigenkapital (über 40%) sind Banken flexibler. Grundsätzlich gilt: Je besser deine Bonität und je mehr Eigenkapital, desto verhandlungsbereiter ist die Bank.
Warum lehnt die Bank ab, obwohl ich mir die Hypothek leisten kann?
Die häufigsten Gründe: 1) Du rechnest mit dem aktuellen Zinssatz (1.5%), die Bank aber mit 5%. 2) Variable Einkommensanteile (Bonus) werden nur teilweise angerechnet. 3) Die 1% Nebenkosten fehlen in deiner Rechnung. 4) Exakt 33% ist oft zu knapp – Banken mögen einen Puffer.
Kann ich die Tragbarkeit mit meinem Partner zusammen berechnen?
Ja, bei Ehepaaren und eingetragenen Partnerschaften werden beide Einkommen addiert. Auch bei Konkubinatspaaren ist das möglich – allerdings haften dann beide solidarisch für die gesamte Hypothek. Beide Partner müssen die Kreditwürdigkeit erfüllen: Ein Partner mit negativen ZEK-Einträgen kann die gemeinsame Anfrage gefährden.
Was passiert, wenn die Tragbarkeit nach dem Kauf nicht mehr gegeben ist?
Solange du die effektiven Zinsen zahlst, passiert zunächst nichts. Die kalkulatorische Tragbarkeit ist eine Prüfung bei Abschluss, nicht eine laufende Überwachung. Aber: Bei einer Refinanzierung oder Verlängerung prüft die Bank erneut. Wenn die Tragbarkeit dann nicht mehr gegeben ist (z.B. weil ein Einkommen wegfällt), kann es schwierig werden. Deshalb: Plane konservativ und halte genug Reserven.
Zählt Säule-3a-Guthaben zum Einkommen?
Nein, Säule-3a-Guthaben zählt nicht zum Einkommen – aber zum Eigenkapital. Du kannst es für den Hauskauf vorbeziehen oder verpfänden. Das erhöht dein Eigenkapital und verbessert damit indirekt die Tragbarkeit (weniger Hypothek = weniger kalkulatorische Kosten). Mehr dazu: Säule 3a für den Hauskauf nutzen.
Wie wirkt sich Teilzeitarbeit auf die Tragbarkeit aus?
Teilzeiteinkommen wird vollständig angerechnet, aber proportional zum Pensum. Beispiel: Vollzeit (100%) CHF 100’000 = voll angerechnet. Teilzeit (60%) CHF 60’000 = voll angerechnet. Einige Banken fragen bei jungen Paaren nach der Familienplanung. Ist eine Reduktion des Arbeitspensums geplant, rechnen manche Banken bereits konservativer.
Was sind die Unterschiede zwischen Tragbarkeit und Belehnung?
Zwei unterschiedliche Prüfungen: Die Belehnung fragt, wie viel der Immobilie finanziert wird (max. 80%). Die Tragbarkeit fragt, ob du die Kosten tragen kannst (max. 33% des Einkommens). Du kannst eine hohe Belehnung haben und trotzdem tragbar sein (hohes Einkommen). Oder eine tiefe Belehnung und nicht tragbar sein (tiefes Einkommen). Beide Kriterien müssen erfüllt sein.
Kann ich die Tragbarkeit verbessern, ohne mehr zu verdienen?
Ja, durch: 1) Mehr Eigenkapital – jeder zusätzliche Franken senkt die Hypothek. 2) Günstigere Immobilie – tieferer Kaufpreis = tiefere kalkulatorische Kosten. 3) Andere Bank – Versicherungen und Pensionskassen rechnen manchmal anders. 4) Dokumentation verbessern – Bonus und Nebeneinkommen nachweisen. 5) Warten – ein Jahr mehr Sparen kann den Unterschied machen.

Geprüft und freigegeben von
Alexander Senger
Gründer & Geschäftsführer
Als Diplom-Finanzfachwirt (FH) und Gründer der Capitalo Finanzservices GmbH bewertet er seit 2014 systematisch Finanzprodukte im DACH-Raum. Capitalo steht für unabhängige, transparente Vergleiche – kostenlos und im Interesse der Nutzer. Erstellt mit KI-Unterstützung, fachlich geprüft und freigegeben von Alexander Senger.
Erfahrung
15+ Jahre Finanzbranche
Qualifikation
Diplom-Finanzfachwirt (FH)
Registrierung
§34c & §34d GewO
Mehr erfahren
LinkedIn-ProfilJetzt den passenden Anbieter finden
Nutze unseren kostenlosen Vergleich und finde das beste Angebot für deine Bedürfnisse.
Zum Vergleich