Abschied vom Libor: Das bringt Saron

Saron statt Libor – das Thema beschäftigt derzeit nicht nur die Schweizer Banken, sondern auch Kreditnehmer. Was steckt dahinter? Es geht um die Zinssätze, die für Kredite und andere Finanzierungen verrechnet werden. Traditionell basieren viele auf dem Libor. Dieses Kürzel steht für London Interbank Offered Rate und bezeichnet den Zinssatz, den Banken untereinander verrechnen. Der Libor wird aufgrund von Meldungen der Banken täglich neu berechnet. Steigt der Libor, steigen auch die Zinssätze für Kredite; sinkt der Libor, gilt das ebenso für die Kreditzinsen. Der Libor galt darüber hinaus als Maßstab für den Zustand der Finanzwelt.

Doch zwei Skandale haben das Vertrauen in den Libor erschüttert: 2007, kurz vor der weltweiten Finanzkrise, hatten mehrere Banken absichtlich zu niedrige Libor-Werte gemeldet, das wurde 2011 bekannt. Ausserdem wurde der Libor über viele Jahre von verschiedenen Banken in genau jene Richtung manipuliert, die für die eigenen Geschäfte zielführend war – es handelt sich um systematischen Betrug, bei dem die Kunden viel Geld verloren haben. Das war möglich, weil der Libor ja wie gesagt auf Meldungen der Banken beruht. Daher wird seit Langem an Alternativen gesucht und für die Schweiz ist der Saron die Lösung. Saron steht für Swiss Average Rate Overnight und dieser neue Referenzzinssatz beruht nicht mehr auf Schätzungen, sondern auf tatsächlichen, aktuellen Transaktionen – konkret auf jene am Geldmarkt für kurzfristige Kredite, ermittelt über eine Plattform der Schweizer Börse. Er kann damit die Stimmung auf dem Finanzmarkt genauer wiedergeben und ist darüber hinaus viel transparenter.

Spätestens 2022 soll der Libor endgültig Geschichte sein, daher wird es Ende 2021 einen Umstieg auf die Alternative geben. In der Schweiz sind seit Kurzem bereits die ersten Finanzprodukte erhältlich, die auf dem Saron beruhen und sie werden bereits kräftig beworben. Für Kreditnehmer bedeutet die Entwicklung, dass sie bestehende Libor-Finanzierungen spätestens Ende nächsten Jahres auf andere Varianten überführen lassen – so wie es derzeit aussieht, bietet sich dafür vor allem der Saron an. Es besteht aber auch die Möglichkeit, auf andere Finanzierungen umzustellen.

Wichtig zu wissen: Bei Saron wird der Referenzzinssatz täglich neu festgelegt und kann daher kurzfristig stärker schwanken als dies beim Libor der Fall ist. Vor diesem Hintergrund könnten beispielsweise auch Festhypotheken interessant sein, weil man damit steigenden Zinsen ausweichen kann. Das hängt aber jeweils vom Einzelfall ab. 


Robert Prazak verantwortet die Online-Redaktion von CAPITALO und begleitet unsere Social Media und PR-Arbeit in seinem Alltag. Seit 1995 schreibt er über spannende Themen für Finanz-Channels und Vergleichsportale, aber auch für Social Media Agenturen, Banken sowie PR-Verlage.