Kredit ablösen: So läuft es in der Schweiz

Wir haben die genauen Voraussetzungen für das Ablösen eines oder mehrerer Kredite unter die Lupe genommen.

Autor
Robert Prazak | Aktualisiert am 22. Juli 2021
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Die Coronakrise hat in unterschiedlichen Bereichen große Auswirkungen – auch für Privatpersonen kann es finanzielle Belastungen geben. Daher macht es gerade jetzt Sinn, sich die laufenden Kredite mal genauer anzusehen und eine Kreditablösung zu überlegen. Es klingt paradox, doch tatsächlich kann man bei den Krediten oft mehr sparen, als man gedacht hätte. Der Hauptgrund sind die derzeit niedrigen Zinsen, von denen man direkt profitieren kann.

Was ist eine Kreditablösung bzw. Kreditumschuldung?

Darunter versteht man die vorzeitigen Rückzahlung (=Ablösung) eines laufenden Kredits. Das wird auch als Amortisation bezeichnet. Man bezahlt also den ausstehenden Betrag zurück und ist damit den Kredit los. Meistens geschieht das durch die Aufnahme eines neuen, idealerweise günstigeren Kredits. Damit wird dann der alte Kredit abgelöst. Oder man hat das Geld selbst parat.

Weshalb sollte man einen Kredit ablösen?

Wer eine Kreditumschuldung, also die Ablösung eines Altkredits durch einen anderen, vornimmt, kann von niedrigeren Zinsen und günstigeren Kosten profitieren. Wer den alten Kredit vor einiger Zeit aufgenommen hat, musste dafür wahrscheinlich höhere Zinsen in Kauf nehmen. Heute sind die Zinsen aber vergleichsweise niedrig, daher kann ein Umstieg finanzielle Vorteile bringen.

Das gilt aber nicht nur für Privatkredite bzw. Konsumkredite, sondern beispielsweise auch für Schulden auf Kreditkarten – bei diesen gibt es oft sehr hohe Zinsen, manchmal sogar im zweistelligen Bereich. Angesichts der sonstigen niedrigen Zinsen macht eine Umschuldung daher wirklich Sinn. Auch teure Leasingraten beispielsweise für ein Auto können durch eine Kreditablösung vermieden werden – man löst diese durch einen Kredit mit niedrigen Zinsen ab. Das hat auch den Vorteil, dass man selbst der Besitzer des Fahrzeugs ist, während das bei einem Leasingvertrag nicht der Fall ist.

Wie funktioniert die Ablösung von Krediten und anderen Schulden?

Der erste Schritt zur Kreditablösung ist es, sich eine Übersicht über die laufenden Kredite zu verschaffen: Welche Zinsen zahle ich dafür, welche sonstigen Kosten gibt es? Dann kann mit der Suche nach einem neuen, günstigeren Kredit zur Umschuldung begonnen werden. Dazu können Kreditrechner genutzt werden. Man sollte dabei nicht nur auf die angebotenen Zinsen, sondern auch auf die Laufzeiten und sonstigen Kosten achten. In weiterer Folge können konkrete Angebote bei Banken eingeholt werden, über Online-Plattformen läuft das einfach und rasch. In den meisten Fällen bietet die neue Bank auch gleich die Abwicklung der Ablösung des bestehenden Kredits bzw. der bestehenden Kredite an.

Was kostet eine Kreditablösung?

Schweizer haben es gut: Die Ablösung bzw. Umschuldung eines Kredits ist nicht nur grundsätzlich erlaubt, sondern auch jederzeit kostenfrei möglich. Das ist im Konsumkreditgesetz (KKG) so festgelegt. Darin heißt es wörtlich, dass bei einer vorzeitigen Erfüllung eines Konsumkreditvertrags ein «Anspruch auf Erlass der Zinsen und auf eine angemessene Ermässigung der Kosten, die auf die nicht beanspruchte Kreditdauer entfallen», besteht.

Kann ich mehrere Kredite ablösen bzw. auf einen einzigen Kredit umstellen?

Ja, das ist möglich und macht in vielen Fällen auch Sinn. Wer mehrere Kredite hat, verliert nämlich leicht den Überblick über seine finanzielle Situation. Zudem kann man mit einem neuen Kredit von niedrigen Zinsen profitieren. Es können also mehrere Kredite durch einen einzigen ersetzt werden. Das läuft im Prinzip wie bei der einfachen Kreditablösung, nur werden eben mehrere Kredite abgelöst. Der Aufwand ist etwas höher, aber es kann sich auszahlen.

Was sind die Vorteile bzw. Nachteile einer Kreditablösung?

Der größte Vorteil ist die mögliche Reduzierung laufender Kosten, was derzeit besonders wichtig sein kann. Die finanzielle Belastung sinkt dank einer klugen Kreditablösung. Das verschafft auch mehr Freiheiten für andere Bereiche, etwa Sparen oder den nächsten Urlaub. Ein Nachteil ist der Aufwand, der mit einer Ablösung bzw. Umschuldung verbunden ist. Dieser ist aber sehr überschaubar. Oftmals ist eine Kreditablösung günstiger als eine Krediterhöhung.

Was ist eine Vorfälligkeitsentschädigung?

Der Begriff Vorfälligkeitsentschädigung kommt in der Schweiz nur im Zusammenhang mit Festhypotheken zum Tragen – in anderen Ländern sieht es anders aus, da können für verschiedene Arten von Darlehen solche besonderen Gebühren bzw. Entschädigungen fällig werden. Bei einer vorzeitigen Auflösung einer Festhypothek (etwa wegen des Verkaufs einer Liegenschaft) kann die Bank dem Kreditnehmer ein solche Vorfälligkeitsentschädigung bzw. Ausstiegsentschädigung stellen. Wenn die Bank nämlich für die Restlaufzeit am Markt weniger Zinsen erhält, als dies bei einer Rückzahlung durch den Kreditnehmer der Fall gewesen wäre, kann diese Differenz verrechnet werden.

Wie gehe ich bei einer Kreditablöse vor?

  • Daten zu laufenden Krediten sammeln.
  • Eigene Daten vorbereiten (Grundbedarf etc.).
  • Zinsen für neuen Kredit vergleichen / Kreditrechner nutzen.
  • Kontakt zu Banken für konkrete Angebote.
  • Bestehende Kredite ablösen, Umschuldungskredit anwenden.

Wichtige Tipps für die Kreditablösung

  • Die Bonität (Kreditwürdigkeit) ist auch bei der Kreditablösung bzw. der Umschuldung wichtig. Wenn alle Kreditraten pünktlich bezahlt wurden, sollte das kein Problem sein. Von der Bonität hängen auch die Zinsen ab, die man für einen neuen Kredit bekommt.
  • Wer mehrere Kredite bei unterschiedlichen Banken durch einen einzelnen ablöst, reduziert auch den Aufwand, weil es in Zukunft nur noch eine Bank gibt, mit der man zu tun hat.
  • Die derzeit niedrigen Zinsen sollten nicht dazu verleiten, einen zu hohen neuen Kredit aufzunehmen. Die Zinsen werden irgendwann wieder steigen und damit auch die mögliche finanzielle Belastung durch die laufende Rückzahlung.
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Über den Autor Robert Prazak

Robert Prazak verantwortet die Online-Redaktion von CAPITALO und begleitet unsere Social Media und PR-Arbeit in seinem Alltag. Seit 1995 schreibt er über spannende Themen für Finanz-Channels und Vergleichsportale, aber auch für Social Media Agenturen, Banken sowie PR-Verlage.

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