
ZHAW-Studie: 45 % der Schweizer haben höchstens drei Monate Reserven
Eine ZHAW-Studie zeigt, dass fast die Hälfte der Schweizer Bevölkerung bei einem Einkommensausfall maximal drei Monate finanziell überbrücken kann. Trotz hoher Sparbereitschaft fehlen oft ausreichende Notfallreserven, was selbst bei Besserverdienenden zu Liquiditätsengpässen führt.
Die ZHAW School of Management and Law hat die Studie zum finanziellen Wohlbefinden zusammen mit Bank Cler und Netcetera erstellt. Befragt wurden im Juni 2026 online 963 Personen zwischen 18 und 79 Jahren. Die Ergebnisse erschienen am 29. Oktober 2026, unter anderem berichtete Moneycab darüber.
Die wichtigsten Ergebnisse der ZHAW-Studie
Gespart wird in der Schweiz viel. Die Reserven reichen bei vielen trotzdem nicht weit. Die Kennzahlen im Überblick:
| Kennzahl | Anteil der Befragten |
|---|---|
| Sparen zumindest gelegentlich | 83 % |
| Sparen regelmässig | 43 % |
| Liquide Reserven für höchstens 3 Monate | 45 % |
| davon ohne ausreichende liquide Reserve | knapp 15 % |
| davon Reserven für 1 bis 3 Monate | 30 % |
| Reserven für mehr als 1 Jahr | knapp ein Viertel |
| Mussten sich in den letzten 12 Monaten Geld leihen | fast 25 % |
| Hatten Mühe, die Steuerrechnung zu begleichen | 29 % |
Quelle: ZHAW-Studie «Finanzielles Wohlbefinden in der Schweiz» mit Bank Cler und Netcetera (963 Befragte, Juni 2026). Alle Angaben ohne Gewähr.
Als grösste finanzielle Sorge nennen 22 % die steigenden Fixkosten, 12 % die Altersvorsorge. Die finanzielle Zufriedenheit liegt bei 5,6 von 10 Punkten, die allgemeine Lebenszufriedenheit bei 7,2.
Was die Zahlen bedeuten: Sparen ist nicht gleich Reserve
Der zentrale Befund steckt in der Lücke zwischen 83 % Sparenden und 45 % mit höchstens drei Monaten Reserve. Wer gelegentlich etwas zur Seite legt, hat damit noch keinen Notgroschen, der einen Jobverlust, eine Krankheit oder eine hohe Nachzahlung abfedert.
Gemessen hat die Studie liquide Mittel, also Geld, das sofort verfügbar ist. Gebundenes Vermögen wie die Pensionskasse, die Säule 3a oder Wohneigentum zählt nicht dazu. Die knapp 15 % ohne ausreichende Reserve sind deshalb nicht zwingend vermögenslos. Ihnen fehlt aber der schnelle Zugriff auf Geld, wenn der Lohn ausfällt.
Auffällig ist das Ergebnis bei höheren Einkommen. Auch bei einem Monatseinkommen ab CHF 10'000 hat gut jede vierte befragte Person höchstens drei Monatsreserven. Ein hoher Lohn schützt also nicht automatisch vor Engpässen, wenn Fixkosten und Lebensstil mitwachsen.
Einordnung: Fixkosten und Steuern als Engpass
Laut Capitalo-Einordnung der Studienwerte passen zwei Befunde zusammen: Steigende Fixkosten sind die meistgenannte Sorge, und 29 % hatten Probleme bei der Steuerbegleichung. In der Schweiz wird die Einkommenssteuer bei den meisten Angestellten nicht direkt vom Lohn abgezogen. Wer die Rechnung nicht laufend einplant, steht bei Fälligkeit schnell vor einer Lücke.
Dass fast ein Viertel der Befragten im letzten Jahr Geld leihen musste, um laufende Ausgaben zu decken, zeigt dieselbe Schwachstelle. Allerdings ist das Bild nicht durchweg negativ: Knapp ein Viertel kann seinen Lebensstandard mehr als ein Jahr aus eigenen Mitteln halten. Die Unterschiede innerhalb der Bevölkerung sind gross.
Was das für dich bedeutet: 5 Schritte zur Notfallreserve
Die Studie spricht für einen Wechsel vom passiven Sparen zu einer strukturierten Liquiditätsplanung. So kannst du vorgehen:
- Notgroschen festlegen: Als Richtwert gelten 3 bis 6 Monatsausgaben. Bei Ausgaben von CHF 5'000 im Monat sind das CHF 15'000 bis CHF 30'000.
- Reserve liquide parken: Der Notgroschen gehört auf ein Sparkonto, über das du rasch verfügen kannst, nicht ins Depot und nicht in die Säule 3a.
- Mehrkonten-Modell nutzen: Trenne dein Geld in drei Töpfe, nämlich ein Konto für Fixkosten, eines für den Notgroschen und eines für den Konsum. So siehst du jederzeit, was wirklich frei verfügbar ist.
- Fixkosten prüfen: Gehe Miete, Krankenkasse, Versicherungen, Abos und Leasing einmal im Jahr durch. Jeder eingesparte Franken senkt auch den Betrag, den deine Reserve abdecken muss.
- Steuern monatlich zurücklegen: Erwartest du eine Steuerrechnung von CHF 9'600, sind das CHF 800 pro Monat auf einem separaten Konto. Alternativ bieten viele Kantone Vorauszahlungen an.
Gut zu wissen: Guthaben bei Banken mit Schweizer Bewilligung sind über esisuisse bis CHF 100'000 pro Person und Bank geschützt. Für einen Notgroschen reicht das in den meisten Fällen aus.
Fazit
Die ZHAW-Studie zeigt eine klare Lücke: 83 % sparen, doch 45 % könnten einen Einkommensausfall höchstens drei Monate überbrücken, selbst bei Einkommen ab CHF 10'000. Ein Notgroschen von 3 bis 6 Monatsausgaben auf einem liquiden Sparkonto, getrennte Konten und monatliche Steuerrückstellungen schliessen diese Lücke Schritt für Schritt.
👉 Wie viel Reserve brauchst du konkret? Mit unserem Budgetrechner für die Schweiz findest du heraus, wie hoch deine monatlichen Fixkosten und damit dein Notgroschen sein sollten.
Alle Angaben ohne Gewähr.